Wenn es etwas typisch Eiflerisches gibt, das weitgehend unverwechselbar für eine ganze Region steht, dann sind es die Wässer aus den Dreesen. Über 50 natürliche Sauerbrunnen, Dreese, Mineralquellen gibt es im Landkreis Vulkaneifel. Viele von ihnen bekannt, einige kartographiert und dokumentiert und einige nur wenigen Menschen geläufig. Sie liegen allesamt in der Nähe zu Bachläufen und markieren besondere Orte, die es lohnt, sie aufzusuchen, an ihnen zu verweilen und den unmittelbaren Geschmack der Vulkaneifel zu erfahren. Jedes Kind erinnert sich an den besonderen Geschmack dieser Quellen und sucht ihn andernorts meist vergebens. Mit jedem Schluck scheinen sodann heimatliche Gefühle auf. Zugleich bilden sie Orte einer besonderen Beziehung der Eifeler zur Natur. Ob gefasst oder ungefasst, ob aus Stahlröhrchen fließend oder zu schöpfen aus dem Boden: Hier wird das Wasser auf magische Weise in Szene gesetzt. Und: jeder Drees hat seinen eigenen Klang: Sprudelnd, plätschernd, knisternd, eruptiv, leise und laut. Und doch sind diese Orte in ihrer Vielfalt nur wenigen Menschen vertraut. So mag dieser Podcast Ansporn sein, sich mit dem Becher auf den Weg zu ihnen zu machen und die Vielfalt zu erleben, hören und schmecken.

Ein rüttelndes, schüttelndes Gurgeln ist beim Näherkommen an den Hotzendrees zu hören. Rostbraun leuchtet die gefasste Rinne, mitten in Daun gelegen und doch abseits. Rund 30 Meter gilt es den Burgberg hinabzusteigen, um über ein Lieserbrückchen zum Drees zu gelangen, der auf einem geschwungenen Platz steht. Er ist der beliebteste Drees der Dauner, obwohl sein Geschmack einigen Einheimischen sogar recht sauer erscheint. An der nahen Ortsumgehung halten regelmäßig Fahrzeuge, aus denen Menschen mit Flaschen zum Abfüllen den kleinen Trampelpfad hinuntergehen. Auf den Bänken rasten Wanderer und Radfahrer am Rande des Lieserpfads.

Dauner Quellreichtum
Daun ist einer der quellreichsten Orte der Vulkaneifel mit zahlreichen Dreesen, die zum Teil sogar verschwunden und in Vergessenheit geraten sind. Neben dem Dauner Sprudel, der sein Mineralwasser aus den Quellen des Liesertals bezieht, lädt ein gefasster Drees im Kurpark Gäste zum Trinken ein. Dass in der Nähe des ehemaligen Hotels Anna Maria zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein rundgemauerter Drees lag, wissen womöglich die Wenigsten. Wer nach ihm sucht, findet seine steinernen Überreste. Wenige Meter entfernt gab es lange Zeit in einem der Quellhäuschen des Dauner Sprudels in einem bronzenen Becken die Möglichkeit Drees abzufüllen. Unweit des Hotzendrees‘ befindet sich eine weitere Quelle auf einem Privatgrundstück. Der alte Dauner Drees in der Dreesgasse/Arensbergstraße, dort wo heute die Kaffeerösterei steht, ist vom Schutt des Kriegs verfüllt. Der Josenbachdrees (aufgrund seines eruptiven Klangs im Volksmund auch Kotzdrees genannt) am Fuße des Hunert ist hingegen noch im Gebrauch. Von den in alten Karten ausgewiesenen zwei weiteren Mineralquellen den Josenbach hinauf, weist seit neuerem lediglich eine Tafel am Kolverather Drees auf die alte Quelle hin.

Aufnahmeort: Hotzendrees in Daun

50°11’56″N 6°49’55″E

Im Tal der Lieser, in der Struth, liegt vorm Ortseingang Neichen der Neichener Drees. Von ihm hat man einen weitläufigen Blick bis hoch nach Hilgerath, wo die alte Pfarrkirche steht. Und Wanderer des Lieserpfades kommen unmittelbar daran vorbei. Die Quelle der Lieser liegt nur gut 4 Kilometer entfernt. Ein Schild nahe des gefassten Drees‘ weist darauf hin, dass 1960 der Versuch unternommen wurde, durch eine tiefere Bohrung einer höhere Schüttung der Quelle zu erreichen, was jedoch nicht den erwünschten Erfolg hatte. Viele Jahre wurde der Drees sogar durch eine Umzäunung abgeriegelt, da man annahm, er weise nicht die notwendigen Trinkwasservoraussetzungen auf. Seit 1979 ist der Brunnen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und das Wasser von bester Qualität. Am Wanderwegweiser wenige Meter weiter sind in einem Kästchen frische Becher bereitgestellt, um jedermann den Genuss des Wassers zu ermöglichen. In den Sommermonaten kann es sein, dass das
Befüllen des Bechers ein wenig länger dauert, da die Schüttung der Quelle je nach Jahreszeit variiert. Das Warten wird jedoch durch den besonderen Geschmack des Neichener Dreeses belohnt.

Aufnahmeort: Drees Neichen
50°15’40.1″N 6°52’03.6″E

Schnell ist man an ihm vorbeigesaust. Ausgangs des Dorfes Niederstadtfeld, auf dem Weg nach Schutz, liegt der Drees rechts der Straße. Wenige Stufen die gefasste Brunnenanlage hinab, rinnt das mineralhaltige Wasser durch ein Stahlrohr ins Becken. Seine gelösten Bestandteile sind reichhaltiger vorhanden als in anderen Wässern der Region, worauf ein Schild mit Vergleichswerten hinweist. Er sei um das 15fache stärker mit natürlicher Kohlensäure ausgestattet, als nötig ist, um als Säuerling
oder Sauerbrunnen bezeichnet werden zu dürfen, wird dort nicht ohne Stolz vermerkt. Die Hinweistafel nahe des Dreeses verzeichnet folgende Konzentrationen der

Inhaltstoffe:
Kationen: Natrium (Na) 595 mg/l | Kalium (K) 27,4 mg/l | Calcium (Ca) 140,3 mg/l | Magnesium (Mg) 102,1 mg/l
Anionen: Hydrogencarbonat (HCO3) 2383 mg/l | Nitrat( NO3) 7 mg/l | Chlorid (Cl) 86,7 mg/l | Sulfat 35

Aufnahmeort: Drees Niederstadtfeld
50°09’24.8″N 6°45’40.6″E

An ferne Tage erinnert das klassizistische Quellhäuschen. Als stünde es in einem mondänen Kurort. Doch direkt an der L24 mit regem Autoverkehr, der Vieles im Kylltal übertönt, fristet es eher ein Schattendasein. Bizarr erscheint, dass die Quelle erst zu sprudeln beginnt, wenn der Bewegungsmelder am Eingang passiert wird. Langsames, träges Gurgeln und Würgen, dann ergießt sich die Quelle, bis nach wenigen Minuten der Bewegungsmelder die Pumpe ausschaltet …

Bereits die Römer sollen diese Quelle genutzt haben. Der Weg an der Kyll ist – wie alle Wege der Flüsse und größeren Bäche der Eifel – in Antike und Mittelalter als Hauptweg ins Hinterland ohnehin stark frequentiert, sodass die Lindenquelle einer der bekannteren und meistgenutzten Dreese gewesen sein dürfte. Zudem wurde die heilende Wirkung der Quelle anerkannt und das Wasser in Tonkrügen abgefüllt mit Pferdefuhrwerken zu den Kunden bis nach Trier verbracht. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde auch die industrielle Nutzung des Wassers zunehmend interessant. Mit eigenem Gleisanschluss wuchs ein Betriebsgelände rund um die Quelle, welches in den 1970er Jahren aufgegeben und Anfang der 1980er Jahre abgerissen wurde. Durch Sprengarbeiten in den 1960er Jahren wurde das Wasser in Mitleidenschaft gezogen und konnte nicht weiter industriell genutzt werden. Heute ist der Pavillon der Lindenquelle ein beliebtes Ausflugsziel und gibt vielen Durchreisenden die Möglichkeit, das Eifeler Drees-Wasser kennen- und schätzen zu lernen.

Aufnahmeort: Lindenquelle bei Birresborn
50°11’34.9″N 6°38’07.6″E

Ein kleines Rinnsaal im Blätterrauschen der Bäume.

Dass die Oberstadtfelder einen Drees haben, dürfte vielen Eifelern unbekannt sein. Er liegt westlich außerhalb des Dorfes, unscheinbar am Mühlenbach, der nach Niederstadtfeld Richtung Kleine Kyll fließt. Ein kleiner Wegweiser „Sauerbrunnen“ weist den Weg über den Bach hinauf zum Drees. Stetig rieselt ein kleiner Wasserstrahl aus dem Stahlrohr aus der steinernen, rundgefassten Quelle. Eine Bank lädt zum Verweilen ein. Ein besonderer Ort der Stille, den es lohnt, ihn aufzusuchen.

Aufnahmeort: Drees bei Oberstadtfeld
50°10’16.1″N 6°45’30.3″E

Meist plätschert er nicht mehr, der Drees am Laubachshof bei Oberehe. Das Rauschen der Fahrzeuge übertönt seine wenigen Tropfen. Vermutlich ist dieser Drees einer der auch für die Eifeler unbekannteren Quellen. Obwohl auf dem Weg von Hillesheim nach Daun direkt an der B 421 gelegen, fahren täglich tausende Menschen mit ihren Fahrzeugen vorbei. Viele von ihnen, um die Lücke der A1 zu umfahren. LKW machen hier Rast, um ihre gesetzmäßigen Ruhepausen einzuhalten. Feuerstellen und leere Flaschen lassen ihn verwahrlost aussehen. Wohl fristet der Platz um den Drees eher ein Dasein als Toilette, denn als Quellort zum Verweilen …

Aufnahmeort: Drees am Laubachshof bei Oberehe
50°16’24.4″N 6°46’29.8″E

Mit ein wenig Glück kann man den Schwarzstorch in diesem Tälchen am Nohner Bach beobachten. Nicht weit von hier nistet der seltene große Vogel. Der Bodenbacher Drees liegt in offenem Gelände mit einzigartigem Blick in die umgebende Landschaft. Eine hölzerne Liege lädt zum Ruhen und Beobachten ein. Die Quelle ist durch Basaltstelen umgeben, welche Geräusche wie das Rauschen des Baches mindern. So kann man ausgezeichnet die leise zerplatzenden Bläschen hören, die aus dem offenen, rostbraunen Quelltopf aufsteigen. Ein leises Knistern ist in unregelmäßigen Abständen zu vernehmen. Immer wieder anders. Nahezu magisch.

Die Hinweistafel nahe des Dreeses verzeichnet folgende Konzentrationen der gelösten Elemente: Kationen: Natrium (Na) 320 mg/l | Kalium (K) 8,9 mg/l | Calcium (Ca) 103 mg/l Magnesium (Mg) 154,2 mg/l | Eisen (Fe) 0,42 mg/l | Mangan (Mn) 0,05 mg/l Anionen: Hydrogencarbonat (HCO3) 2049,6 mg/l | Nitrat (NO3) 2,40 mg/l | Chlorid (Cl) 11,5 mg/l Wassertemperatur: 13,4 °C

Hydrogencarbonat – HCO3 Hydrogencarbonat, ein Salz der Kohlensäure, ist säureneutralisierend. Es bildet sich, wenn das Wasser kalksteinhaltige Schichten durchläuft. Ein höherer Gehalt von Hydrogencarbonat wirkt sich auf den Geschmack des Dreeses aus: er schmeckt weniger säuerlich. Zudem soll es den Säure-Base-Haushalt des Körpers positiv beeinflussen, etwa Sodbrennen und Harnwegsleiden mindern. Der Bodenbacher Drees weist eine hohe Konzentration an Hydrogencarbonat auf – mehr als in den handelsüblichen Mineralwässern.

Aufnahmeort: Bodenbacher Drees

50°18’29″N 6°50’19″E