SWR-Beitrag „Dörfer rufen um Hilfe: Ehrenamt am Limit“
Der SWR war zu Gast bei mir in Darscheid im Herzen des Landkreis Vulkaneifel. Im Beitrag „Dörfer rufen um Hilfe: Ehrenamt am Limit“ bekomme ich als Sozialwissenschaftler und Experte für ländliche Entwicklung die Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen im ländlichen Raum einzuordnen – jenseits von Totschlagargumenten.
Mein Blick auf den Bericht, der vorab auf YouTube zu sehen ist:
Ehrenamt am Limit?
Warum der ländliche Raum neue Handlungsoptionen braucht
Die Herausforderung ist nicht fehlendes Engagement – sondern fehlende gemeinsam entwickelte Handlungsoptionen zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Was bewegt die Menschen auf dem Land wirklich?
Warum geraten so viele Dörfer, Vereine und Initiativen zunehmend unter Druck? Und welche Fragen stehen für die Menschen vor Ort aktuell im Mittelpunkt?
Der SWR-Beitrag nimmt diese Fragen ernst – und wählt dafür einen bemerkenswerten Zugang. Statt die Situation mit Erfolgsgeschichten oder Leuchtturmprojekten zu übertönen, richtet der Film den Blick konsequent auf die Wahrnehmungen der Menschen vor Ort: ihre Sorgen, ihre Ermüdung, ihre Erwartungen und ihre offenen Fragen.
Gerade im Wahljahr in Rheinland-Pfalz entfaltet dieser Ansatz besondere Relevanz. Denn der Beitrag bündelt Themen, die viele Menschen im ländlichen Raum als drängend erleben: öffentlicher Personennahverkehr, medizinische Versorgung und Geburtshilfe, das Zusammenleben mit Neubürgerinnen und Neubürgern, das Ehrenamt – und damit letztlich die Frage, wie Zukunftsfähigkeit jenseits der Städte aussehen kann.
Keine schnellen Lösungen – sondern ernst gemeinte Fragen
Der Film verzichtet bewusst darauf, einfache Antworten zu liefern. Er zeigt stattdessen, wie eng diese Themen miteinander verwoben sind und wie stark sie den Alltag prägen.
Das Ehrenamt erscheint dabei nicht als romantisierte Ressource, sondern als überlastetes Rückgrat, auf dem vielerorts noch immer große Teile des gesellschaftlichen Zusammenhalts ruhen.
Mein Blick richtet sich dabei weniger auf einzelne Symptome als auf die dahinterliegenden strukturellen Herausforderungen:
Der ländliche Raum leidet weniger an einem Mangel an Engagement als an einem Mangel an gemeinsam entwickelten, tragfähigen Handlungsoptionen zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
In vielen Diskussionen begegnen uns immer wieder dieselben Argumentationsmuster:
Dafür ist kein Geld da. Oder: Das muss die Politik lösen.
Diese Perspektiven greifen jedoch zu kurz. Sie verengen den Handlungsspielraum und führen häufig zu Frustration – gerade bei denjenigen, die sich ohnehin schon engagieren.
Was es stattdessen braucht, sind gemeinsam entwickelte Aktivitäten und Maßnahmen, die Verantwortung nicht einseitig abladen, sondern verteilen. Zivilgesellschaftliches Engagement darf nicht länger als Reparaturbetrieb für strukturelle Defizite fungieren.
Es muss als Mitgestalter ernst genommen werden – in echter Kooperation mit Politik und Verwaltung.
https://www.youtube.com/watch?v=5UdN0tmUOFs



